Man lernt nie aus!

Offensichtlich gab es in der DDR Kinos, in denen per Diaprojektor Werbung für neue Filme gemacht wurde.

Alle guten Dinge sind drei!

Seit diesem Wochenende bin ich stolzer Besitzer eines Originalplakats aus der DDR! Ich bekam es von einem Freund geschenkt, der es in den 1970ern von einem Filmvorführer bekam.

In den Anfangszeiten des Internets gab es einen Fan, der alle verfügbaren Informationen zu Vanishing Point ins Netz brachte: Al Genard. Seine Webseite wurde von dem damals populären Dienstleister geocities.com gehostet. Al leistete die Pionierarbeit und inspirierte mich zu meiner Webseite.

Bevor die Seiten vom Netz gingen, habe ich sie mit seiner Zustimmung gesichert und hoste sie seit dem bei mir.

Hier sind sie:

>Kowalski-Pages<

Szenenfoto Radio KOWalski

Sarafian wählte als Standort des Radiosenders KOW das damals schon lange leer stehende Goldfield Hotel, zur Zeit des Goldrauschs das erste Haus am Platz.
Heute ist es immer noch ungenutzt, sieht aber besser aus, als im Film. Ich weiß das, denn ich war da. Yeah Baby!

 

Natürlich wurde auch für GP0 mehr Zelluloid abgedreht, als letztendlich im Kino zu sehen war. Die Informationen über diese Szenen habe ich u.a. aus Fehlern der PR-Arbeit von 20th Century Fox, Abbildungen von Plakaten, Videokassetten und Laserdiscs zusammengetragen. 


Polizeikontrolle in Denver

Noch in Denver wird K von einer Polizeistreife kontrolliert. Leider weiß ich über die Szene sonst nichts. Hoffentlich haben sie nicht nach Drogen gefragt ;).



Quelle: Lobbycard aus den USA


Die Streitszene

Als K in Denver startet, fährt er kurz bei Jake vorbei, um sich Speed zu besorgen. Dort gibt es einen Streit zwischen Jake und einem Typen, den K schlichtet.



Quelle: Foto auf einer frühen Laserdisc 


Kowalski drängt die Motorradstreife von der Straße ab

Es gibt eine Lobbycard, auf der man Kowalski und einen Polizisten auf dem Motorrad bei einem Ausflug ins Grüne sieht. Das könnte zu der Szene passen, wo Kowalski die beiden Streifenpolizisten von der Straße abdrängt. Entweder war die Szene ursprünglich mal anders aufgebaut, oder die beiden wollten nur abseits der Dreharbeiten rumspielen. Also reine Spekulation.


Lobbycard BRD


Im Jeep über’s Schlachtfeld

Als K an einer Straßensperre ausweicht und in die Wüste des Death Valley flieht, hat er eine seiner Erinnerungen, kurz bevor der Reifen platzt: Er fährt einen verwundeten Soldaten in einem Militärjeep durch Atilleriefeuer über ein Schlachtfeld, Granaten schlagen ein, er wird verwundet.

Quelle: Szenenbeschreibung aus der Pressebroschüre von Fox

Kommentar: Da keiner der Drehorte die Szenerie für eine Vietnamkriegsszene hergibt, wurde die Szene vermutlich nicht gedreht und überlebte die Filmplanung nur in der Pressebroschüre durch die Nachlässigkeit eines Bearbeiters.


Warum K bei der San Diego Police gefeuert wurde

Eine weitere Erinnerungssequenz nachdem sich der Jaguar aus dem Rennen geworfen hat: Während seiner Zeit als Polizist in San Diego merkt er, daß sich sein Streifenpartner schmieren läßt. Er unternimmt nichts dagegen und haut stattdessen mit dem Streifenwagen ab.

Dafür wird er “in Unehren entlassen”, wie wir ja schon aus dem Polizeifunk wissen. Gilda hatte auf Ihrer Wandzeitung ein Foto, auf welchem K von Polizisten abgeführt wird und die Schlagzeile “"Gefangen auf den Treppen des Gerichts”" aufgeklebt.

Quelle: Szenenbeschreibung aus der Pressebroschüre von Fox, Wandzeitung aus der Szene mit Gilda Texter


Die Anhalterszene 

Hast Du Dich jemals gefragt, was in der Zeit zwischen dem Abschied von Angel und dem Sonntagmorgen, an dem K in die Straßensperre rast, passiert ist? Da liegt doch eine ganze Nacht dazwischen!



Quellen: USA DVD von 2004, Prospekt Progress Filmverleih,
australische VHS, Buch “Cult Movies 2” (1983) 

Hier kommt die vermisste Anhalterszene (komplette Dialoge auf deutsch: Anhalterszene):

  • K, nun schon in Kalifornien, sammelt im Dunkeln eine von Charlotte Rampling gespielte Anhalterin auf. 
  • Kowalski sieht Charlotte Rampling
  • Sie unterhalten sich über Ks Tierkreiszeichen, sein Fahrtziel und schließlich kommt es zum äußersten, wie Ursel & Traudel es wohl ausdrücken würden. Sie kommen sich, sozusagen, ziemlich nahe. Ist aus männlicher Perspektive auch nicht verwunderlich, da Charlotte neben einem anmutigem Äußeren auch eine bemerkenswerte Ausstrahlung hat.
  • Sie kommen sich näher, und näher, und näher ... 
  • In dieser Szene wird auch die Frage beantwortet, wo K eigentlich so eilig hin will. Die Antwort ist simpel: nach Hause. Er wohnt in Frisco. Und er sagt, daß Kowalski sein einziger Name ist.  
  • Ein Verkehrszähler 
  • In der Szene spielt auch ein Verkehrszähler, den K passiert, eine Rolle. Im Film soll er wohl erklären, warum die energischen Damen in der Schaltzentrale der California Highway Patrol Kowalskis Bewegungen auf der beleuchteten Wandkarte verfolgen können.  
  • Der Morgen danach 
  • Die Szene endet nach etwa acht Minuten so, daß Charlotte verschwunden ist, als Bruder K am Morgen erwacht. 

Daß die Anhalterein so etwas wie ein Todesengel ist, der K beschwört, nicht weiterzufahren, kann nach meinem bisherigen Stand nicht bestätigt werden. Der Kommentar von Sarafian deutet darauf hin, daß die Szene beim Dreh vielleicht mal so gedacht war, beim endgültigen Schnitt aber einen anderen Charakter bekam. 

Diese, nur auf der USA DVD enthaltene Szene beantwortet also eine der großen ungeklärten Fragen zum Film, Kowalskis Grund, nach Frisco zu fahren. Seltsamerweise wird die Filmversion mit der Anhalterszene als “UK Version”, also als englische Version bezeichnet, obwohl sie auf meiner englischen VHS nicht drauf ist. Ich habe auch noch von niemandem gehört, der diese Szene schon mal gesehen hätte. Selbst beim abschließenden Screening Anfang 1971, berichtete Newmans Agent, daß die Szene nicht drin war.

Auf frühen VHS wird Charlotte Rampling noch genannt, ebenso in einem alten Prospekt des Progress Filmverleih. Ich kann mich aber beim besten Willen nicht daran erinnern, diese Szene in der DDR-Version gesehen zu haben.

Sind die Macher von Vanishing Point auch im Film zu sehen?

Zumindest für den Regisseur Richard Sarafian kann die Frage mit Ja! beantwortet werden.

Vanishing Point wird zu Grenzpunkt Null

In der DDR bekam Vanishing Point eine volkseigene Synchronisation und wurde vom VEB Progress-Filmverleih am 5.11.1975 in die Kinos gebracht. Regisseur der Synchronfassung war Johannes Knittel, Sprecher sind mir nicht bekannt. Nachfolgend gebe ich den Text aus einer Progress-Broschüre vom Oktober 1975 wieder, deren Inhalt mir von einem netten Archivar übermittelt wurde. GP0 wurde unter der Rubrik "Filme des Monats" vorgestellt. Der Artikel ist naturbelassen, zitiert mit allen Irrtümern. (siehe auch: DDR Filmplakate und DDR Filmwerbung)

Transscript der geschnittenen Anhalterszene mit Charlotte Rampling

aufgeschrieben und übersetzt von www.hansego.de (Quelle: US-DVD)
 
Kontrollzentrum der California Highway Patrol (CHP)
Ein Licht wandert über die Landkarte an der Wand. Im Hintergrund klappern und klingeln Schreibmaschinen.
 
Dunkelheit.K passiert einen am Straßenrand stehenden Koffer, hält an und fährt zurück, bis Charlotte Rampling (CR) vor ihm steht.
 
K: Ich fahre nach Frisco.
CR: Wohin?
K: San Francisco.
 
Ein Moment Stille. CR geht, um ihren Koffer zu holen und kommt zurück. Sie legt ihren Koffer auf den Rücksitz und steigt ein. Die Musik aus der Szene mit K und Vera beginnt zu spielen (Love Theme). Der Challenger fährt mit durchdrehenden Rädern los. Sie fahren eine Weile schweigend.
 
K: Hast du schon lange gewartet?
CR: Mir ist heute Abend wirklich nicht nach Gesprächen. ... Entschuldigung. Ich wollte nicht grob sein.
 
Die Musik spielt im Hintergrund.
CR holt einen Joint aus ihrer Tasche.
 
CR: Stört es dich?
K: Glückliche Träume!
 
CR zündet die Zigarette an. Das Klavier spielt weiter. Der Joint wandert zu K.
 
Der Chally passiert ein Verkehrszählgerät.
 
Im CHP Kontrollzentrum:
Das Licht auf der Wandkarte bewegt sich als Reaktion auf den aktivierten Verkehrszähler weiter.
Zurück zum Chally.
 
K fährt rechts ran, schaltet Motor und Lichter aus. Er nimmt den Zigarettenstummel aus Crs Hand, die schläft.
 
CR (mit abwesendem Blick): Was ist passiert?
K: Ich weiß nicht.  
CR: Warum haben wir angehalten?
K: Ich werde high.
 
CR lächelt und macht es sich sich sich räkelnd im Sitz bequem.
 
CR: Mm, es ist schön hier drin.
K: Ja.
CR: Was bist du?
K: Ein Überführungsfahrer.
CR: Du bist ein Skorpion.
K (lacht): Ja.
CR: Wie ist dein Name?
K: Kowalski.
CR: Kowalksi? Kowalski!
K: Ja, Kowalski, Vor-, Nach- und einziger Name.
CR lächelt: Komisch.
K: Sehr, ja. Und deiner?
CR: Ich werd's dir später sagen.
K: Wann, wenn wir nach Frisco kommen?
CR (jetzt sehr ernst): Warum gehst du nach San Francisco?
K: Weil es mein Zuhause ist.
CR (lächelt): Zuhause. Bei dir klingt es nach einem guten Ort. Ich mag dich Kowalski. Ich mag dich.
 
Sie lächelt wieder und macht eine Pause.
 
CR: Ich habe lange auf dich gewartet. Oh wie sehr ich auf dich gewartet habe!
K: Ja? Seit wann und wo?
CR: Oh, überall und schon immer. Geduldig. Geduldig. Das ist die einzige Art, auf jemanden zu warten.
 
Sie schauen sich tief in die Augen. Dann beginnt K, sie zu küssen.
 
Im CHP Kontrollzentrum
Die strenge Dame befestigt zwei Pfeile an der Wandkarte, die auf Cisco zeigen.
 
Zurück zum Chally im Morgengrauen
K erwacht, merkt, daß CR weg ist und steigt verschlafen aus, um sich das Hemd in die Hose zu stecken. Ein Polizeiauto fährt in einiger Entfernung auf der Straße vorbei. K überlegt einen Moment, steigt dann ein und fährt wieder los. Der Chally passiert ein weiteres Zählgerät.
 
Im CHP Kontrollzentrum
Das Licht wandert aus Richtung Murphy auf den rot markierten Highway zu. Im Hintergrund klappern und klingeln Schreibmaschinen.
 
Super Soul wird im Convertible zur Arbeit gefahren ...

Gedanken zum Film

Bei gewissen Dingen besteht die Gefahr, sie zu zerreden, wenn man sie zu intensiv analysiert. So ist es wahrscheinlich auch hier. So mag also jeder für sich entscheiden, ob er meine Betrachtungen lesen will oder nicht. Soviel als Warnung.

Die Kommentare meiner Besucher

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m a i l (ätt) h a n s e g o . d e.

Dieser Artikel ist wegen des relativ frühen Erscheinens eine der wichtigsten Quellen. Ich neige darum dazu, diesem Artikel zu glauben. In späteren Interviews und dem Kommentar-Track der DVD und Blu-Ray werden teilweise widersprüchliche Angaben gemacht.

Autor: Paul Zazarine
Copyright-Vermerk von Al Genard (Die Kowalski-Pages): "Reprinted with permission from Muscle Car Review Magazine March 1986", Anmerkungen des Übersetzers in Klammern

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